Ich dachte, die großen Entscheidungen hätte ich schon getroffen.
Irgendwann im letzten Trimester stand auch für uns das Thema Erstausstattung an. Also sind wir in ein großes Babyfachgeschäft gefahren – in der Hoffnung, vieles an einem Ort zu finden und die wichtigsten Entscheidungen treffen zu können. Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag. Überall Kinderwagen, winzige Bodys, Regale voller Schlafsäcke, Tragen, Möbel und unzählige Dinge, von denen ich bis dahin nicht einmal wusste, dass es sie gibt.
Eigentlich dachte ich, wir würden mit einer Einkaufsliste und ein paar Taschen wieder nach Hause fahren. Stattdessen wurde ich mit jedem Regal unsicherer. Natürlich gab es Dinge, die mir gefallen haben. Aber fast genauso schnell kam die nächste Frage: Ist das wirklich ein gutes Produkt? Ist es den Preis wert? Brauchen wir das überhaupt?
Je länger wir dort waren, desto schwerer fiel es mir, überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Am Ende bin ich tatsächlich mit leeren Händen wieder nach Hause gefahren. Damals hat sich das irgendwie komisch angefühlt. Heute weiß ich, dass genau dort etwas begonnen hat, worauf mich niemand vorbereitet hatte. Nicht die großen Entscheidungen. Sondern die vielen kleinen.

Die Entscheidungen, die niemand sieht
Vor der Geburt dachte ich, irgendwann sind die wichtigsten Entscheidungen getroffen. Ein Kinderwagen, ein paar Bodys, vielleicht noch das Kinderzimmer – und dann kann das Abenteuer beginnen. Die Realität sah anders aus.
Plötzlich gab es jeden Tag neue Fragen. Welcher Schlafsack? Welche Materialien? Braucht ein Baby wirklich einen Wickeltisch? Welche Marke hält, was sie verspricht? Und woran erkenne ich eigentlich, ob etwas wirklich gut ist oder einfach nur gut vermarktet wird?
Für fast jede Frage gab es unzählige Antworten. Und oft haben sie sich sogar widersprochen. Also habe ich recherchiert. Viel recherchiert. Und irgendwann gemerkt, dass mich die vielen Informationen nicht unbedingt sicherer gemacht haben.
Rückblickend hätte vieles Zeit gehabt
Heute sehe ich vieles entspannter. Den Großteil unserer Erstausstattung haben wir gebraucht gekauft oder geschenkt bekommen. Einen Wickeltisch haben wir nie angeschafft. Und unser Sohn hat bis heute noch gar kein eigenes Kinderzimmer. Nicht, weil uns das nicht wichtig wäre. Sondern weil er es bisher einfach nicht gebraucht hat.
Im Rückblick merke ich, wie viele Dinge sich irgendwann ganz selbstverständlich ergeben haben. Vieles, worüber ich mir vorher lange Gedanken gemacht habe, war am Ende gar nicht entscheidend für unseren Alltag.

Worauf ich eigentlich gehofft hatte
Wenn ich heute an diesen Tag zurückdenke, wird mir klar, dass ich damals gar nicht nach möglichst vielen Produkten gesucht habe. Ich habe nach Orientierung gesucht. Ich hätte mir keinen noch größeren Babyladen gewünscht. Und auch keine noch längere Liste mit Produktempfehlungen. Ich hätte mir jemanden gewünscht, der sagt:
„Das hat sich im Alltag wirklich bewährt. Und vieles andere kann erst einmal warten.“
Mit der Zeit ist mir – sowohl in meiner Arbeit als Psychologin als auch als Mama – immer wieder derselbe Gedanke begegnet: Entscheidungen kosten Energie. Vor allem dann, wenn wir sie unter Unsicherheit treffen müssen. Rund um die Geburt kommen plötzlich unzählige solcher Entscheidungen zusammen. Keine davon wirkt für sich besonders groß. Aber gemeinsam können sie ganz schön überfordern.
Warum ich dir das erzähle
Wenn ich heute an diesen Tag im Babyfachgeschäft zurückdenke, bin ich fast dankbar, dass ich damals nichts gekauft habe. Nicht, weil es dort keine guten Produkte gab. Sondern weil ich zum ersten Mal gemerkt habe, wie schwer Orientierung sein kann, wenn es plötzlich unendlich viele Möglichkeiten gibt.
Genau dieser Gedanke begleitet mich bis heute bei Liv&Little. Ich möchte keine möglichst große Auswahl anbieten. Ich möchte eine Auswahl schaffen, bei der man nicht das Gefühl hat, sich erst durch hundert Möglichkeiten arbeiten zu müssen.
Nicht jedes Produkt ist für jede Familie das Richtige. Aber ich glaube daran, dass eine kleine, bewusst ausgewählte Auswahl oft hilfreicher ist als unendlich viele Möglichkeiten. Vielleicht entstehen gute Entscheidungen nicht dadurch, dass wir immer mehr vergleichen. Sondern dadurch, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können.
Vielleicht ist genau das die Idee hinter Liv&Little.
Neu hier?
Falls du wissen möchtest, wie Liv&Little überhaupt entstanden ist, erzähle ich die Geschichte im ersten Beitrag: Die Geschichte hinter Liv&Little.
Manche Entscheidungen haben sich rückblickend als besonders gut angefühlt – diese Babydecke aus Merinowolle gehört für mich dazu.





