Als ich schwanger war, haben wir den Raum renoviert, der einmal das Kinderzimmer werden sollte. Und zwar nicht nur ein bisschen. Wir haben alte Balken geschliffen, Wände verputzt, einen neuen Boden verlegt und den Raum von Grund auf renoviert. Irgendwann kam dann der Moment, an dem wir zur Farbrolle gegriffen haben. Ich weiß noch genau, dass wir mitten im Streichen standen und mir plötzlich ein Gedanke kam.
Woher soll ich eigentlich wissen, wie ich ein Kinderzimmer für jemanden einrichte, den ich noch gar nicht kenne?
Natürlich wusste ich, dass wir einen Sohn bekommen würden. Aber ich wusste noch überhaupt nichts über ihn. Ob er später Bücher lieben würde. Ob er sich stundenlang mit Bauklötzen beschäftigen würde. Ob er gerne malt, kuschelt oder am liebsten draußen unterwegs ist. Ich wusste nicht einmal, welche Farben ihm irgendwann gefallen würden. Und trotzdem versuchten wir gerade, einen Raum für ihn zu gestalten.Irgendwie fühlte sich das in diesem Moment komisch an. Nicht falsch. Aber einfach zu früh.
Wir haben das Zimmer damals fertig renoviert. Eingerichtet haben wir es nie. Stattdessen wurde daraus erst einmal wieder ein Gästezimmer. Damals wusste ich noch nicht, dass uns diese Entscheidung die nächsten zwei Jahre überhaupt nicht beschäftigen würde.
Unser Alltag spielte sich ganz woanders ab
Als unser Sohn geboren wurde, wurde ziemlich schnell klar, dass sich unser Familienalltag gar nicht im zukünftigen Kinderzimmer abspielte. Er war dort, wo wir waren. Er schlief bei uns. Er lag auf seiner Krabbeldecke im Wohnzimmer. Während ich gekocht habe, lag er oft einfach mit in der Küche. Später standen seine Bücher im Wohnzimmerregal und sein Lieblingsspielzeug lag meistens genau dort, wo wir uns gerade aufgehalten haben.

Das Gästezimmer blieb deshalb einfach… ein Gästezimmer. Und ehrlich gesagt hat uns das nie gefehlt. Ich glaube, weil unser Sohn am Anfang gar keinen eigenen Raum gebraucht hat. Er brauchte vor allem Nähe.
Irgendwann hat sich mein Blick verändert
Heute wird unser Sohn bald zwei Jahre alt. Und zum ersten Mal merke ich, dass ich anfange, über sein Zimmer nachzudenken. Nicht, weil ich das Gefühl habe, dass es längst überfällig ist. Sondern weil ich langsam das Gefühl habe, ihn kennenzulernen. Ich weiß inzwischen, dass er Bücher liebt. Dass er Fahrzeuge faszinierend findet. Dass er sich gerne selbst beschäftigt, solange wir in der Nähe sind.
Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, einen Raum nicht für meine Vorstellung von einem Kind einzurichten. Sondern für ihn. Vielleicht wird aus dem Gästezimmer deshalb bald langsam sein Zimmer. Mit einer kleinen Lese- und Kuschelecke. Ein paar Büchern. Ein wenig Platz zum Spielen. Mehr braucht es wahrscheinlich gar nicht.
Nicht alles muss vor der Geburt fertig sein
Wenn ich heute an die Schwangerschaft zurückdenke, fällt mir auf, wie sehr wir versuchen, schon vor der Geburt alles vorzubereiten. Die Erstausstattung. Den Kinderwagen. Das Babyzimmer. Und natürlich steckt darin ganz viel Vorfreude. Trotzdem hat mich das Elternwerden etwas anderes gelehrt. Nicht alles muss von Anfang an fertig sein. Manches entwickelt sich erst mit dem Kind. Vielleicht sogar genau so, wie es sein soll.
Aus meiner Arbeit als Psychologin und meinen Erfahrungen als Mama weiß ich heute, dass wir Menschen Sicherheit mögen. Gerade dann, wenn etwas Neues bevorsteht, versuchen wir, möglichst viel vorzubereiten und zu planen. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Manchmal entsteht Orientierung aber nicht durch noch mehr Vorbereitung, sondern dadurch, dass wir uns erlauben, Dinge wachsen zu lassen.
Warum ich dir das erzähle
Wenn ich heute an die Renovierung zurückdenke, muss ich manchmal lächeln. Damals dachte ich, wir würden ein Kinderzimmer gestalten. Eigentlich haben wir nur einen Raum renoviert. Ein Kinderzimmer ist daraus erst nach und nach geworden. Nicht durch Möbel. Sondern dadurch, dass wir unseren Sohn immer besser kennengelernt haben.

Ich glaube, genau das nehme ich auch für Liv&Little mit. Ich möchte keine Produkte auswählen, weil sie gerade besonders beliebt sind oder in jedes perfekt eingerichtete Babyzimmer passen. Ich möchte Produkte auswählen, die Familien dort begleiten, wo ihr Alltag wirklich stattfindet. Denn genau dort entstehen die Erinnerungen, die bleiben.
Heute merke ich viel mehr, dass es gar nicht die perfekt eingerichtete Umgebung braucht. Ein gemütlicher Platz zum Spielen, ein paar Bücher und Dinge, mit denen er sich wirklich beschäftigen möchte, reichen oft völlig aus.
Wenn du wissen möchtest, wie ich überhaupt zu dieser eher reduzierten Sicht auf Babyprodukte gekommen bin, habe ich hier schon einmal darüber geschrieben: Ich dachte, die großen Entscheidungen hätte ich schon getroffen.



